

Konradsreuth – „120 Jahre SPD in Konradsreuth – Rückblick und Ausblick“ hatte Siegfried Schörner sein Referat betitelt, das er im zweiten Teil der Jubiläumsveranstaltung hielt. Schörner verstand es, trotz der langen Redezeit von über einer Stunde keine Langeweile aufkommen zu lassen.
Erschienen in der Frankenpost vom 20.02.2009
Zunächst ging der Referent auf die Gründerzeit der SPD ein, eine Zeit, in der die Industrialisierung begann, Fabriken entstanden und damit der Arbeiterstand. Während die herrschende Klasse große Vermögen anhäufte, wurde die arbeitende Bevölkerung ausgebeutet, betonte Schörner. „Gleichzeitig strebte das politisch erwachende Bürgertum nach mehr Freiheit vom Joch der Monarchie und der Herrschaft des Adels.“
Konradsreuth, damals ein Weberdorf mit 180 kleinen Häuschen und 1800 Einwohnern, hatte eine Fabrik, die so genannte Maschine. Sie stand im heutigen Ortsteil „Waldlust“. 1812 gegründet, war sie die erste Maschinenspinnerei in Oberfranken mit über 100 Arbeitern. Die krassen sozialen Gegensätze in der Region verdeutlichte Schörner anhand eines Beispiels.
Schere bei Arm und Reich
So zahlte 1889 die Neue Baumwollspinnerei Hof an 535 Arbeiter im Jahr 291 485 Mark aus, ein Jahreslohn von 542 Mark pro Arbeiter. Ihre Aktionäre aber erhielten bei 100 Aktien zu je 2000 Mark eine Dividende von 20 Prozent, demnach 40 000 Mark pro Jahr. Der Tageslohn der Handweber von Konradsreuth lag bei 1,80 Mark, weniger als die Hofer Fabrikarbeiter bekamen. Um über die Runden zu kommen, hielten sie sich Haustiere und bauten Kartoffeln an. „Dagegen lebten die Fabrikbesitzer, Direktoren, Verleger für die angeblich selbstständigen Hausweber in Saus und Braus“, sagte Schörner.
Nach Bismarcks Entlassung im März 1890 durch den Kaiser und die Aufhebung der Sozialistengesetze war die SPD eine etablierte Fraktion im Reichstag des Kaiserreiches geworden. Ein Jahr davor hatten sich die Konradsreuther Sozialdemokraten erstmals formiert. An der Spitze standen damals der Schuhmacher Heinrich Herpich sowie die Weber Johann Geißer und Georg Wolf. Zehn Jahre nach der Gründung wurden fünf SPD-Mitglieder als Wahlmänner für den bayerischen Landtag gewählt und zwar neben Geißer und Herpich Bernhard Raithel, Johann Ritter und Erhard Wolf. Sie lösten die Bürgerlichen und Konservativen Carl Müller, Christian Wenzel, Johann Schaller und Christian Strößner ab.
Nach dem Ersten Weltkrieg zählte der Ortsverein 18 Mitglieder. An erster Stelle stand der Fabrikarbeiter Franz Lochner. Im März 1919 schnellte die Mitgliederzahl auf 101 Personen hoch. Den Aufwind hatte die Einführung des Frauenwahlrechts gebracht. Jedoch sank die Zahl 1923 wieder auf sieben „Unentwegte“. Dazwischen lagen Not, Inflation und die Verfolgungswelle durch die Nazis ab März 1933.
1945 wurde am 25. November der Ortsverein wieder ins Leben gerufen. Es waren jene Männer, die schon vor 1933 tätig waren, nämlich Franz Lochner als erster Bürgermeister, Johann Goller als dessen Stellvertreter, Karl Hager, der spätere langjährige Bürgermeister sowie Georg Kleinlein und Joseph Seidel. Seit 1945 bis heute stehen mit Ausnahme von 1972 bis 1984 Sozialdemokraten in der Verwaltung an der Spitze der Gemeinde. –gb
Siegfried Schörner Foto: –gb
Homepage Ulrich Scharfenberg
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