

Jubiläum | Vor 120 Jahren wurde in Konradsreuth der SPD-Ortsverein gegründet. Beim Festakt erinnern die Genossen an die Anfänge, als die Sozialdemokratie unter Unterdrückung litt und sich behaupten mußten. Politik vor Ort seit dem Jahr 1889
Erschienen in der Frankenpost vom 20.01.2009
Konradsreuth – Grund genug zum Feiern hatte der SPD-Ortsverein Konradsreuth am Wochenende: Fast auf den Tag genau besteht er seit 120 Jahren. Seine Gründung fiel in eine Zeit, in welcher der sozialdemokratische Gedanke in Deutschland von der regierenden Monarchie und der „besseren Gesellschaft“ verpönt war (siehe unten stehender Artikel). Dieses Jubiläum wurde entsprechend im voll besetzten Sportheim des örtlichen Fußballklubs gefeiert.
Im ersten Teil der Veranstaltung stand die Ehrung von Mitgliedern an, die seit Jahrzehnten dem Ortsverein die Treue halten und die, so Ortsvorsitzender Horst Börder, sich nach wie vor für die Belange der Partei einsetzen. Bundestagsabgeordnete Petra Ernstberger und Unterbezirksvorsitzender Ulrich Scharfenberg überreichten die Ehrenurkunden Veronika Koska für 25-jährige Zugehörigkeit sowie an Christian Wächter und Siegfried Schörner, die mittlerweile seit vier Jahrzehnten der SPD die Treue halten. Die Urkunde für zehnjährige Mitgliedschaft erhielt Dr. Martin Steingrüber.
Der Geburtstag des Jubiläumsvereins sei gut gewählt, sagte Ernstberger, denn heuer stünden mehrere Jubiläen an. Unter anderem fanden am 19. Januar vor 90 Jahren die ersten freien Wahlen statt, das Wahlrecht für Frauen wurde eingeführt, am 22. Mai 1959 trat das Grundgesetz in Kraft und im November des selben Jahres legte die SPD auf dem Godesberger Parteitag ihr Programm fest. Zentrale Aufgabe einer freiheitlichen Wirtschaft sei es, betonte sie, die Macht der Großwirtschaft zu bändigen, denn Staat und Gesellschaft dürften nicht Beute einer mächtigen Interessengruppe werden. Die SPD habe lange vor den Gefahren eines ungezügelten Turbokapitalismus gewarnt. Ferner informierte sie über die von der Bundesregierung in die Wege geleiteten Maßnahmen zur Bewältigung der Krise wie die Forderung der SPD, die Finanzmärkte mehr zu regulieren, die Beschäftigung der Arbeitnehmer zu sichern, Familienförderung zu verbessern oder Zukunftstechnologien stärker zu fördern.
Noch zur Zeit, als in Konradsreuth der erste sozialdemokratische Wahlverein im Jahr 1889 gegründet worden sei, habe man in Deutschland die Sozialdemokraten von Staats wegen bekämpft, sagte Landrat Bernd Hering. Öffentliches Auftreten sei damals verboten gewesen. Die heutige SPD könne nur mit Hochachtung auf jene mutigen Männer und Frauen zurück blicken, die sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts und am Anfang des 20. bereit gefunden hätten, für ihre Überzeugung öffentlich einzutreten und Nachteile oder gar Gefahr auf Leib und Leben in Kauf zu nehmen. „Die Geschichte des Konradsreuther Ortsvereins zeigt gleichsam spiegelbildlich, wie die Anziehungs- und Durchsetzungskraft der SPD gerade in Zeiten der Unterdrückung und Verfolgung stets größer war als das Bestreben, sie zu bekämpfen.“ Die Verwirklichung von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität sei letztlich stärker gewesen als alle Anfechtungen, Willkürakte und Verbote, denen die Sozialdemokraten ausgesetzt gewesen seien.
Tradition fortsetzen
Die SPD Konradsreuth habe sich mit dem Eintreten für die Grundwerte von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität in ihrer Heimatgemeinde einen Namen gemacht. Hering nannte in diesem Zusammenhang in der jüngeren Geschichte die beiden Bürgermeister Hans Lochner und Willi Koska. Ihn, Hering, freue es, dass in der Person von Matthias Döhla die erfolgreiche Tradition der Sozialdemokratie in Konradsreuth fortgesetzt werden könne. Hering wünschte weiter Kraft, Entschlossenheit und Augenmaß und die erforderliche Nähe zu den Bürgern, „dann wird die SPD in Konradsreuth die Zukunft bestehen, auch wenn der Mutterpartei gelegentlich der Wind um die Ohren bläst“, schloss der Landrat. –gb
Ulrich Scharfenberg und Petra Ernstberger (von links) zeichneten die langjährigen Mitglieder aus. Unser Bild zeigt sie (von rechts neben der Bundestagsabgeordneten) mit Christian Wächter, Siegfried Schörner, Veronika Koska, Dr. Martin Steingrüber sowie Marion und Gerhard Wolf und Ortsvereinsvorsitzenden Horst Börder. Foto: –gb
Homepage Ulrich Scharfenberg
Jetzt sind 1 User online
| Besucher: | 57797 |
| Heute: | 64 |
| Online: | 1 |