Foto: Claus Volz Wahlkampf mit „höchster Präsenz“: Die Ehrung langjähriger Mitglieder und das Versprechen, sachlich gute Politik für die kleinen Leute zu machen, bestimmten die SPD- Wahlversammlung im Restaurant „Fränkischer Hof.“ Gut 40 Besucher sorgten beim „Roten Empfang“ immer wieder für Beifall. Der wurde jedoch sehr laut, als die Hochrechnung der Hessenwahl bekannt wurde. Fritz Schauer ist seit 60 Jahren SPD- Mitglied, Hans Eckert seit 50, Sonja Wagner, Waltraud Ullrich und Uwe Raab seit 25 Jahren. Sie erhielten vom stellvertretenden SPD- Landesvorsitzenden Dr. Thomas Beyer und vom Ortsvorsitzenden Oliver Winkelmaier ihre Urkunden.
Was Fritz Schauer trocken mit dem Satz kommentierte: „Ich hab’ schon drei, nur ist immer eine andere Unterschrift drunter.“ Zu der Auszeichnung gratulierten auch MdL Dr. Christoph Rabenstein, MdB Anette Kramme und Landratskandidat Karl Lothes.
Einwohner verloren
Im Mittelpunkt stand die Rede von Uwe Raab, der zunächst jene Punkte aufzeigte, die negativ für Pegnitz sind. Das sind die herben Verluste an Einwohnern, die Überalterung der Gesellschaft, das Ämtersterben, der Wegbruch fast der gesamten Textilindustrie. Ein „weiter so“ könne man sich nicht leisten, die Weichen müssten neu gestellt werden, Pegnitz brauche neue Ideen und Anziehungspunkte. Die SPD habe das „KKK“.
Ein „K“ stehe für das Wort kritisch, denn die SPD suche nach besseren Lösungen. Man gebe sich mit Vorschlägen der Verwaltung nicht einfach ab. Das weitere „K“ gelte dem Wort konstruktiv, denn bei sinnvollen und sachgerechten Vorschlägen sei man ein verlässlicher Partner, und mit dem dritten „K“, das für kreativ steht, wolle man „unsere Visionen und Perspektiven für Pegnitz in der Gegenwart verankern.“
Mit Widerspruchsgeist
Der SPD falle der Ruf zu, diejenigen zu sein, die manchmal widersprechen, die Manfred Thümmler Paroli bieten, die Alternativen aufzeigen, sich einmischen und mitmischen.
In Pegnitz habe die SPD viel angeregt, einfordern und erreichen können, wie etwa den VGN- Anschluss von Trockau bis Troschenreuth, Maßnahmen bei der Verkehrsberuhigung, forcierter Beitritt zur Monopolregion Nürnberg, vorzeitiger Beginn der Innenstadtsanierung, Forderung nach flächendeckender Versorgung mit DSL- Leitungen, Schaffung von Kinderkrippen oder im Rahmen des Antrags „familienfreundliche Wohnstadt“ die Erstellung eines Katasters bebaubarer Grundstücke und eines familienfreundlichen Baugebiets, das zuerst lauthals abgelehnt wurde.
Eckpunkte für die Zukunft seien eine aktive Bürgergesellschaft und eine sportlich wie kulturell lebendige Stadt. Die Stadt müsse unbedingt nach „Kinderfreundlichkeit riechen“, um ein positives Klima und Image für Familien und allein Erziehende zu schaffen. Kinderkrippen und Ganztagsklassen seien hier wichtige Bausteine oder ein Jugendstadtrat. Die Jugendarbeit in Pegnitz müsse wieder hauptamtlich werden. Man wolle die Kinder erziehen, anstatt sie hinterher in Strafcamps oder in den Knast zu stecken.
Im künftigen Ganzjahresbad gelte es für familienfreundliche Eintrittspreise zu sorgen. Dreh- und Angelpunkt neben einer guten Familienpolitik sei die wirtschaftliche Stärkung der Stadt, denn bei den Gewerbesteuereinnahmen stünde Pegnitz gerade einmal bei einem Drittel des bayerischen Durchschnitts, wobei man fairerweise aber die höheren Schlüsselzuweisungen abziehen müsse.
Der „Rundumschlag“ von Uwe Raab griff viele aktuelle Themen und Visionen auf, die vom Wunsch nach einer Jugendherberge, von Wohnmobilstellplätzen, der nachhaltigen Unterstützung des Händlerkreises „Unser Pegnitz“ oder dem Einsatz einer fachkompetenten Agentur für Wirtschaftsförderung reichten. Uwe Raab machte deutlich, dass die Partnerschaft zu Slany oder Guyancourt auch auf den wirtschaftlichen Bereich ausgedehnt werden könnte. Es sei ein Trugschluss, dass „es nur die CSU sein kann“, meinte Raab.
Mit der CSU dauere alles viel länger. „Unsere schöne Stadt überaltert immer weiter, wird farbloser, trocknet regelrecht aus wie ein See ohne hinreichenden Wasserzufluss und wird weiter verlieren“, war sein letzter Appell vor der Wahlempfehlung für die SPD.
Quelle: Nordbayerische Nachrichten