SPD | Führende Sozialdemokraten der Region erhoffen sich mit dem Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier und dem designierten Parteivorsitzenden Franz Müntefering eine Rückkehr zur Geschlossenheit. Wechsel soll neuen Schwung bringen
Hof – Am Tag nach den turbulenten Ereignissen am Schwielowsee blicken die führenden SPD-Repräsentanten in der Region hoffnungsfroh nach vorne. Unisono erwarten sie nun, dass mit dem neuen Duo Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering an der Spitze wieder Ruhe in die Partei einkehrt und diese zu einstiger Geschlossenheit zurückfindet.
Eine, die die Ereignisse am Sonntag hautnah miterlebte, ist die Hofer Bundestagsabgeordnete Petra Ernstberger. Die parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion wurde dabei ebenso wie alle anderen von dem Rücktritt Kurt Becks überrascht. Die folgende Personalentscheidung sei schnell und präzise gefallen, sagte Ernstberger gestern Mittag am Telefon zwischen Klausursitzungen der Gremien in Berlin. Die Personalie Steinmeier habe sich bereits länger abgezeichnet, allerdings sei der Zeitpunkt der Bekanntgabe nun doch früher erfolgt als geplant. In Müntefering sieht Ernstberger einen „Mann mit Erfahrung und Charisma“, der die Fähigkeit besitze, die Partei wieder zusammenzuführen.
Die Entscheidung für Steinmeier und Müntefering wertet Ernstberger im Übrigen auch als ein positives Signal für den laufenden Landtagswahlkampf der SPD in Bayern.
Signal für Bayern-Wahl
Diese Meinung teilt der Hofer SPD-Landtagskandidat und Kreisvorsitzende Hof-Stadt, Jörg Mielentz. „Ich bin froh, dass die Hängepartie nun vorbei und die Entscheidung noch vor der bayerischen Landtagswahl am 28. September gefallen ist.“ Jetzt wüssten die bayerischen Wähler, woran sie sind. Müntefering und Steinmeier stünden für eine klare Abgrenzung zur Partei „Die Linke“.
Während er die Kandidatur Steinmeier so erwartet habe, habe wohl niemand mit einem Beck-Rücktritt rechnen können. Er könne es jedoch menschlich nachvollziehen, so Mielentz, dass „Beck, der teilweise unfair angegriffen und schlecht gemacht wurde, sagt: Das war’s!“ Mit Müntefering sieht der Hofer Landtagskandidat den Parteivorsitz nun „top besetzt“: „Das ist ein brillanter Rhetoriker und politisch von allen Seiten anerkannter Mann.“
Ähnlich beurteilt Heinz Martini, SPD-Landtagskandidat und SPD-Kreisvorsitzender im Landkreis Wunsiedel, die neue Situation: „Der Rücktritt Becks kam zwar überraschend, war aber die Konsequenz aus der Entwicklung der letzten Monate.“ Dem neuen Vorsitzenden Franz Müntefering traut er zu, „die Reihen in der Partei wieder zu schließen“. Mit Frank-Walter Steinmeier sei zudem „ein hervorragender Mann Kanzlerkandidat“.
Ulrich Scharfenberg, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Hof-Wunsiedel, erwartet durch die jüngsten Personalentscheidungen der SPD einen deutlichen Schub für die bayerische Landtagswahl. „Franz Müntefering, bekannt als Wahlkämpfer und Pragmatiker, wird unsere Wähler mobilisieren.“ Müntefering sei der Richtige: „Er weiß, wie die Partei funktioniert.“ Gemeinsam mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Steinmeier, so ist sich der Hofer Unterbezirksvorsitzende sicher, werde „Müntefering das schlingernde Schiff SPD wieder auf Kurs bringen“.
Glaubwürdiger „Mitte-Kurs“
Er sei zwar kein Freund der Demoskopie, sagt Klaus Adelt, Vorsitzender des Kreisverbands Hof-Land, ständig sinkenden Umfragewerten jedoch habe man begegnen müssen. Mit Steinmeier sei „der beste Mann der SPD“ zum Kanzlerkandidaten gekürt worden, „gut ist es, dass Müntefering wieder an der Spitze steht“. Der „Mitte-Kurs“ der Partei könne nun wieder glaubhaft gefahren werden.
Der Hofer Landrat Bernd Hering macht Becks fehlende klare Linie und widersprüchliche Aussagen für sein Scheitern in Berlin verantwortlich. Die fehlende Geschlossenheit innerhalb der Partei habe sich zuletzt in einem Bild der Zerrissenheit offenbart. Mit Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering seien nun die Sozialdemokraten in der Verantwortung, die er am ehesten in der Lage sieht, die Partei wieder auf Kurs zu bringen.
Abwarten, wie sich die Partei nun neu ausrichtet, das will der oberfränkische Juso-Bezirksvorsitzende Oliver Jauernig aus Naila. Mit dem Duo Steinmeier/Müntefering bestimmten nun schließlich die Architekten der Agenda 2010 den Kurs der Sozialdemokraten. Mit dem Verweis auf ein jüngst veröffentlichtes Beck/Steinmeier-Papier sieht Jauernig jedoch durchaus Schnittmengen. Eine Diskussion darüber sei jedoch verfrüht. „Die Priorität hat die bayerische Landtagswahl.“ ts-r
Homepage Ulrich Scharfenberg
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