Diskussionsabend | Fachmann Hans-Ulrich Pfaffmann erläutert bei der Höchstädter SPD, warum er eine Bildungsreform für dringend nötig hält. Schulleiterin Pfaff plädiert für Unterricht in mehreren Häu
Ungerechtigkeiten im Schulsystem
Erschienen in der Frankenpost am 21.01.2009
Höchstädt – Der Höchstädter SPD-Ortsverein hatte hohen Besuch aus München: Hans-Ulrich Pfaffmann, Mitglied des Bayerischen Landtages und Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Jugend und Sport, besichtigte die beiden Schulhäuser des Schulverbandes Thierstein-Höchstädt und fand viele lobende Worte. Bei der Führung mit Schulleiterin Christel Fisgus imponierten dem Abgeordneten nicht nur der sehr gute bauliche Zustand beider Schulen, sondern auch die kreativen Gestaltungs- und Fördermöglichkeiten der Lehrkräfte.
In einer Diskussionsrunde fanden sich danach weit über 30 interessierte Eltern und Vertreter der Gemeinden in einem Klassenzimmer im Höchstädter Schulhaus zusammen, um die Schulproblematik und Möglichkeiten zur Erhaltung der Schulstandorte zu erörtern. Hans-Ulrich Pfaffmann engagiert sich insbesondere für ein gerechteres und besseres Bildungssystem in Bayern. Er setzte sich in seiner ausführlichen Rede für eine seiner Ansicht nach längst überfällige umfassende Reform des Bildungswesens ein, das die individuelle Förderung eines jeden Kindes nach seinen Neigungen und Fähigkeiten ermöglicht.
„Gerecht ist es, wenn keiner verloren geht und wenn jeder mitkommt“, unterstrich Pfaffmann und kritisierte vor allem die viel zu frühe Entscheidung für eine Schullaufbahn in der vierten Klasse. Der Vater von fünf Kindern schilderte seine eigenen Erfahrungen mit dem Übertrittszeugnis und dem damit verbundenen frühzeitigen Aussortieren der Kinder. Sei das Kind einmal eingeordnet, gebe es für viele Jahre kein Zurück mehr. Kinder würden unter Druck gesetzt, was oft zu dramatischen Szenen in den Familien führe. „Das Bauchweh am Sonntagabend aus Angst vor der Schule und tagelange Enttäuschung über eine Drei in Heimat- und Sachkunde sind noch die kleinsten Übel unserer Kleinen“, sagte der Redner.
Ein Viertel aller Grundschülerinnen und Grundschüler erhalten laut Pfaffmann Nachhilfe. „Was ist eigentlich mit den Kindern, deren Eltern sich das nicht leisten können?“, fragte Pfaffmann seine Zuhörer. Das frühe Aussortieren sei eine der größten Ungerechtigkeiten des bayerischen Schulsystems. Außerdem existiere für ein- und zweizügige Schulen keine Bestandsgarantie, was im Hinblick der zu erwartenden Sanierungsmöglichkeiten für Schulen nicht nachvollziehbar sei. Wenn nichts geschehe, warnte der Abgeordnete eindringlich, werde es in manchen Regionen Bayerns keine Schulen mehr geben. Gemeinden verlören ihre wohnortnahen Bildungsangebote und damit ihre Attraktivität für die Familien.
Pfaffmann setzte sich für kleinere Lerngruppen ein, in denen für die Schülerinnen und Schüler eine individuelle Förderung möglich sei. Die Umsetzung des Mottos „Keine Klasse über 25“ und der Einsatz von zwei Lehrkräften in größeren Klassen sorgten dafür, dass moderne Pädagogik eine Chance habe. „Ziffernnoten und das Sitzenbleiben erhöhen weder Leistungsniveau noch Lernmotivation“, mahnte der Politiker.
Die Thiersheimer Schulleiterin Elke Pfaff stimmte Hans-Ulrich Pfaffmann in vielen Dingen zu, stellte aber den Unterricht gerade in Sport oder Musik mit zu wenigen Schülern als problematisch dar. Bei zu kleinen Klassen gehe Potenzial verloren.
Thiersheims zweite Bürgermeisterin Uschi Schricker erkundigte sich nach den Möglichkeiten der Ganztagsschulen und Gelenkklassen und fragte nach Möglichkeiten zur Erhaltung des Schulstandortes. Der Abgeordnete erläuterte die geplanten Möglichkeiten einer einjährigen Probezeit auf weiterführenden Schulen und die damit verbundene Problematik des Leistungsdruckes auch nach einem Übertritt. Deshalb seien gerade Ganztagsschulen heute so gefragt wie nie.
Pfaffmann zeigte Alternativen zum dreigliedrigen Schulsystem auf. Hierzu gehöre die in Primär- und Sekundarstufe aufgeteilte Reformschule. Der Vorteil liege in einer längeren gemeinsamen Schulzeit und der Möglichkeit für einen mittleren Bildungsabschluss. Allerdings, so betonte der Abgeordnete, sei eine Umsetzung aufgrund vieler Widerstände schwierig. Hilfe könne aber vom Bayerischen Lehrerverband angefordert werden.
Elke Pfaff unterbreitete den Vorschlag, bei einer Umsetzung dieses Konzepts zukünftig mit mehreren Häusern zu arbeiten und die dann möglichen sechs Klassen auf alle drei Schulhäuser der VG aufzuteilen. -el
Homepage Ulrich Scharfenberg
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