Der Nutzen von Sport ist vielfältig. Damit Mitglieder in den Vereinen kicken, laufen oder Tischtennis spielen können, ist ein hoher organisatorischer Aufwand nötig. „Wir müssen Buchhalter, Steuerberater, Versicherungsfachmann und Jurist in einem sein“, brachte Herbert Heerdegen das Los vieler Vorsitzender bei einer SPD-Sportkonferenz im Gasthaus „Goldene Rose“ zum Ausdruck.
Für die Veranstaltung hatte die einladende SPD-Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld ihren Kollegen Harald Güller gewonnen, der für seine Landtagsfraktion die Sportpolitik betreibt. Die Vereinsvertreter erhielten Gelegenheit, darzulegen, wo der (Sport-)Schuh drückt. „Sport ist nicht nur die schönste Nebensache der Welt, sondern er ist auch wichtig für die Gesellschaft“, betonte Güller in seinem Einstiegsvortrag. Er leiste große Beiträge zur Integration, Gewalt- und Drogenprävention, fördere Gesundheit und Spaß. Die Politik müsse deshalb Sport unterstützen.
In Bayern geschieht das über die Vereinspauschale, die der Freistaat vor einigen Jahren in Verbindung mit einem Punktesystem eingeführt hat. Dafür habe die Staatsregierung für die Jahre 2011 und 2012 jeweils 17,9 Millionen Euro vorgesehen. Je nach Anzahl der Punkte, die Vereine geltend machen in Form von Mitgliedern und Übungsleitern machen, schwankt der „Wert“ pro Punkt, der zurzeit bei 27,5 Cent beträgt. Bei Abgabe ihrer Anträge wüssten die Vereine deshalb nicht, mit viel Geld sie zu rechnen haben. „Wir von der SPD wollen deshalb einen festen, planbaren Wert, zum Beispiel 30 Cent.“ Aus diesem Grund fordert seine Partei im Landtag eine Aufstockung des Haushaltsansatzes um zwei Millionen Euro. Mehr Mittel soll der Freistaat auch für Investitionszuschüsse an den Bayerischen Landesportverband und den Bayerischen Sportschützenverband zur Verfügung stellen. Zwölf statt der angedachten 8,5 Millionen Euro seien notwendig, um die Wartezeiten von fünf bis sechs Jahre zu verringern. Die Landtags-SPD schließe sich dabei einer entsprechenden Forderung des Landesportbeirates an. Diskussionswürdig sei auch, ob Bayern nicht seine Förderung vollständig auf zinsgünstige Darlehen umstelle, wenn sie im Gegenzug zeitnah ausgezahlt würden.
Ein Anliegen Güllers ist es, kommunale Breitensportanlagen wieder in die Förderung aufzunehmen. Außerdem müsse die Staatsregierung ein Programm „Freizeit und Erholung“ auflegen: Ein Problem sei nämlich, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche Schwimmbäder ihre Pforten geschlossen hätten. „Es gibt immer weniger Möglichkeiten für Kinder, Schwimmen zu lernen.“ In diesem Zusammenhang wies der Abgeordnete auf eine andere Schwierigkeit hin: „Ein Zehnjähriger wiegt heute im Durchschnitt acht Kilogramm mehr als ein Gleichaltriger vor 20 Jahren. Ein Zehnjähriger heute hat in etwa die körperliche Leistungsfähigkeit eines Siebenjährigen vor 20 Jahren.“ Notwendig sei deshalb weiterhin eine dritte Sportstunde. „Die Aufgabe der Schule ist es und nicht die der Vereine, in der Breite allen Schülern eine Grundausbildung zu geben.“ Zur Olympiabewerbung von München und Garmisch-Patenkirchen stehe die bayerische SPD, wenn der Freistaat dabei auch den Breitensport unterstützt und keine Nachteile für andere Landesteile eintreten.
Unklare Regelungen und Fallen im Steuerrecht gerade für Vereine mit Vertragsamateuren kritisierte Michael Werner. Auch bei Spenden von Übungsleitern seien die steuerlichen Vorgaben nicht hilfreich, fügte BLSV-Kreisvorsitzender Peter Rückert hinzu. Güller sagte zu, diese Anliegen in seinen Gesprächen mit der Steuerverwaltung vorzutragen. Ungleich behandelt fühlten sich die Vertreter der Schützenvereine. Im Gegensatz zu den anderen Sportvereinen müssten sie strengere Auflagen erfüllen. Darüber hinaus hätten die Schützen auf Grund von Amokläufen mit Imageproblemen zu kämpfen, obwohl die große Mehrheit der Vereine eine vorbildliche Arbeit leistet.
Zahlen: Fünf Millionen Menschen sind in Bayern Mitglied in 17000 Sportverein. Mehr als 300000 engagieren sich dort an unterschiedlicher Stelle ehrenamtlich. Allein 90000 Übungsleiter und 1000 Vereinsmanager übernehmen Verantwortung in den Vereinen.