Der SPD-Parteivorstand hat eine bundesweite Befragung der rund 10.000 SPD-Ortsvereine durchgeführt. Am Samstag, den 30. Mai 2010, kamen die SPD-Unterbezirks- und Kreisvorsitzende zu einer Konferenz im Berliner Willy-Brandt-Haus zusammen, um die Ergebnisse der Umfrage zu erfahren und zu diskutieren.
Auch die SPD im Landkreis Coburg war mit dem stellvertretenden Kreisvorsitzenden Sebastian Geiger in Berlin vertreten. „Die Partei lebt und möchte sich am notwendigen Erneuerungsprozess aktiv beteiligen“, zog Geiger ein erstes Fazit nach der Bekanntgabe der Ergebnisse. Eine Rücklaufquote von 44 Prozent der Fragebögen hatte selbst die erfahrenen Meinungsforscher von polis/sinus überrascht. Üblich sind bei derartigen Befragungen Rücklaufquote von etwa 10 Prozent.
Die Parteiführung ging mit der Analyse ehrlich um, auch wenn dabei kritische Themen zur Sprache kamen. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles und SPD-Bundesgeschäftsführerin Astrid Klug teilten den Anwesenden beispielsweise mit, dass die SPD vor Ort nicht mehr so stark mit den unterschiedlichen Gruppierungen wie den Gewerkschaften oder Sozialverbänden verbunden sei, wie das noch zu früheren Zeiten der Fall war. „Dieses Problem haben wir als SPD-Kreisverband bereits erkannt und werden zukünftig wieder stärker den Dialog und die Zusammenarbeit mit den uns nahestehenden Organisationen suchen. Mit den Falken, den verschiedenen Gewerkschaften und der Arbeiterwohlfahrt – um nur einige wenige zu nennen – bestehen im Landkreis Coburg enorme Möglichkeiten“, sagte der SPD-Kreisvorsitzende, Carsten Höllein, überzeugt.
Außerdem wurde die Mitgliederentwicklung kritisch beleuchtet. So hat die SPD in den letzten 35 Jahren etwa 500 000 Mitglieder verloren. Zudem ist der Alterdurchschnitt der Partei rasant gestiegen. Für neue Formen der Teilhabe, auch für Nicht-Mitglieder, zeigten sich die SPD-Ortsvereine offen. Zum Beispiel sind nahezu alle Ortsvereine bereit, künftig Menschen ohne Parteibuch in den inhaltlichen Diskussionsprozess einzubinden. Um diesen Prozess in Gang zu setzen, wird die SPD Zukunftswerkstätten einrichten. Neben bundesweiten Veranstaltungen sind auch Aktionen vor Ort geplant. Die SPD Coburg-Land wird in Zusammenarbeit mit den Jusos voraussichtlich im Juli eine Zukunftswerkstatt rund um den Themenbereich Arbeit und Soziales organisieren. „Dazu werden wir neben den verschiedenen Organisationen aus diesem Bereich auch alle Bürgerinnen und Bürger einladen“, kündigte Sebastian Geiger an. Die Zukunftswerkstätten seien keine Alibi-Veranstaltungen. „Wir möchten die Menschen zu Wort kommen lassen und uns Anregungen für unsere Konzepte holen.“ Unbequeme Diskussionen seien ausdrücklich erwünscht.
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