SPD-Kandidaten erkunden die Praxis der Kinderbetreuung nach der Gesetzesänderung vor drei Jahren.

Veröffentlicht am 02.07.2008 in Familie

Kindergärten | SPD-Kandidaten erkunden die Praxis der Kinderbetreuung nach der Gesetzesänderung vor drei Jahren. Diakonisches Werk beklagt höhere Belastungen und unsichere Bezahlung des Personals.
Keine Stechkarten für Zweijährige

Von Joachim Dankbar

Wunsiedel – Die vom neuen Bayerischen Kinderbetreuungsgesetz gewünschte Flexibilität wird auf dem Rücken der Kindergartenträger und vor allem des Personals in den Kindergärten und Krippen ausgetragen. Zu diesem Schluss kam die SPD-Spitze des Landkreises Wunsiedel bei einem Besuch bei der Kinderkrippe „Zwergerlbande“ in Wunsiedel.

Die beiden Landtagskandidaten Heinz Martini und Jörg Mielentz erkundeten dort gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten Petra Ernstberger und Bezirkstagskandidat Ulrich Scharfenberg die Realität der Kinderbetreuung.

Otto Bayreuther, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Wunsiedel-Selb, und Dekan Hans-Jürgen Buchta, der Vorsitzende des Diakonievereins Wunsiedel, legten dar, dass die Kindergärten gerade in Zeiten zurückgehender Kinderzahlen mit dem Rücken an der Wand kämpften. Während früher nur der Bestand der einzelnen Gruppe gesichert werden musste, seien die Eltern jetzt angehalten, ihre Betreuungsstunden ständig dem Bedarf anzupassen. Dies bedeute einen hohen bürokratischen Aufwand für die Kindergartenträger. Im Grunde, so Buchta, müsste man schon Dreijährige mit Stechkarten ausstatten, um die Vorgaben des Abrechnungssystems zu erfüllen.

Besonders belastend wirke sich dies auf das Personals aus, räumte Otto Bayreuther ein. Der ständige Druck zur Flexibilisierung führe dazu, dass man auch ständig über Arbeitszeiten und Bezahlung verhandeln müsse. Bayreuther: „Im Grunde kann keine Erzieherin heute sagen, was sie im nächsten Jahr verdienen wird.“ Wie Petra Ernstberger fand, macht das einen Beruf, für den man sich fünf Jahre lang ausbilden lassen muss, nicht eben attraktiver.

Bayreuther bestätigte, dass die Kinderbetreuungseinrichtung in Zeiten zurückgehender Kinderzahlen in einen permanenten Konkurrenzkampf gezwungen seien. Dabei täten sich größere Träger wie die Diakonie noch leichter als Träger, die nur einen Kindergarten unterhalten. Bayreuther. „Wir können auch über die Einrichtungen hinweg zusammenarbeiten.“ Den Eltern habe das neue Gesetz auch nichts gebracht, ihre Beiträge seien dadurch nicht gesunken.

Schwierig wird es in den kommenden Jahren in den kleineren Orten. Dies verdeutlichte Heinz-Jürgen Buchta am Beispiel des eingruppigen Kindergartens in Lorenzreuth. Um die Einrichtung zu halten, müssten alle Altersgruppen betreut werden. „Vom Windelwechseln bei Zweijährigen bis zur Hausaufgabenhilfe für Achtjährige: Jeder kann sich vorstellen, welche Anforderungen dies an das Personal stellt“, so Buchta.

Gleichzeitig betonte er, dass es absolut wichtig sei, die Kinderbetreuungseinrichtungen gerade in den kleinen Ort zu erhalten.

„Wir wollen keinen Kindergartenbus“, bekräftigte auch Heinz Martini. Wenn es in den kleineren Orten keine Schulen und keine Kindergärten mehr gäbe, dann werde das Leben für Familien dort völlig unattraktiv. Er verwies darauf, dass die Gemeinde Tröstau aus der neuen Situation schon Konsequenzen gezogen habe. Um den Trägern der beiden Kindergärten in Tröstau wenigstens einen Teil der neuen Belastungen zu nehmen, habe sich der Gemeinderat entschlossen, das Defizit beider Einrichtungen über übernehmen.

Was sich Hans-Jürgen Buchta durchaus als Modell vorstellen könnte: „Bislang ist es in anderen Orten so, dass wir für das Defizit aufkommen müssen.“

Die SPD-Politiker möchten lieber eine Änderung des Kinderbetreuungsgesetzes. Es könne ja wohl nicht angehen, so Heinz Martini, dass Gemeinden unter einander über Zuschüsse verhandeln müssen, wenn ein Kind den Kindergarten der Nachbargemeinde besuchen soll.

 

Homepage Ulrich Scharfenberg

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